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Erinnerungen an Neustadt in Holstein

Bilder ab 1960



Kindervogelschießen 1960

Der Traum einmal Königin beim Vogelschießen zu werden, ging für mich in Erfüllung. Es war ein ganz besonderes Erlebnis. Eigentlich sollten König und Königin auf dem Marktplatz verabschiedet werden, da ich am Berliner Platz wohnte und der König aus Grömitz kam. Mein Onkel H.H. Koch wollte das ich zum Krempertor gebracht werde, meine Mutter meinte ich sei eine Mehrpahl und müsste zur Schmiedestr. wo meine Oma wohnte. Der König hatte eine Schwester in der Königstr. Aber das ließ Willi Vahlendick der Adjutant des Spielmannzugs nicht zu:" Die erste echte Niestedter Deern nach dem Krieg wird nach Hause gebracht." So lieferten wir erst den König bei seiner Schwester ab und dann marschierten wir mit Musik und großer Begleitung zum Berliner Platz. Mein Vater der eigentlich schon wieder auf See sein sollte, aber Nachmittags aus Hamburg kam, weil er so eine Ahnung hatte das da was passiert und meine Mutter hatten schnell Getränke besorgt, damit die Gratulanten beköstigt werden konnten. Vor unserer Haustür standen die Mädchen mit ihren Blumenbügeln Spalier . Immer wieder musste ich ans Fenster und winken. Erst spät in der Nacht verliefen sich die Menschen. Unser Wohnzimmer war brechend voll mit Gratulanten. Das schönste aber war der nächste Tag. Ich brauchte nicht zur Schule, dafür musste ich zur Anprobe, denn meine Großmutter Elisabeth Koch und mein Onkel Hunus spendierten mir ein Ballkleid . Vor dem Krieg war es üblich das die Königin ein Kleid mit Rosen benäht für den Ball bekam. Da meine Mutter Schneidermeisterin war wurde bei Fa. Heinrich ein weißer Stoff gekauft , Mutti schnitt das Kleid zu und die Näherinnen bei Koch nähten es. Anschließend wurde von der Kletterrose meiner Urgroßmutter Rosen auf den Saum genäht und auch meine Krone damit bei Gärtner Irmert neu gebunden. Alles war rechtzeitig fertig !

Nachmittags wurde ich dann von meinem König und den Adjutanten zu Hause abgeholt. Erstmal ging es in die Strandhalle, dann in die Seeburg, Stadt Kiel und Hamburger Hof. In allen Tanzlokalen mussten wir eine Polonaise tanzen. Wir gingen überall zu Fuß hin, aber es machte so viel Spaß.

Mein Preis als Königin war ein Silberbesteck. Ich hätte gerne ein Fahrrad oder eine Uhr gehabt, die es all die Jahre vorher gab. Da aber viele Kinder schon eine Uhr oder Fahrrad hatten, gab es ab 1960 immer ein Silberbesteck.

 Traute Borchert geb. Mehrpahl 25. 8. 1947

Eltern : Christoph Mehrpahl & Margarete geb Koch