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Erinnerungen an Neustadt in Holstein

Cap Arcona

Im Rahmen eines britischen Luftangriffs am 3. Mai 1945, der darauf abzielte, Absetzbewegungen deutscher Truppen über die Ostsee zu verhindern, gerieten die Schiffe „Cap Arcona“ und „Thielbek“ vor Neustadt in Brand. Fast 7000 Gefangene verbrannten, ertranken oder wurden erschossen, während sie versuchten, sich zu retten; nur 450 überlebten.


"Cap Arcona"

"Thielbek"

Die Katastrophe am 3.Mai 1945





                          Jahrestage

 In jedem Jahr, ununterbrochen seit 1945, finden in Neustadt Gedenkveranstaltungen statt. Ort des Gedenkens ist der Ehrenfriedhof Cap Arcona. Dieser Ort wurde auf Vorschlag des polnischen DP-Komitees und auf Anordnung der britischen Besatzungsmacht zum zentralen Begräbnisplatz gewählt, weil hier in den Morgenstunden des 3. Mai 1945 Erschießungen stattgefunden hatten. Größere Gedenkveranstaltungen fanden in der Regel alle fünf Jahre statt. Manche dieser besonderen Gedenktage gaben auch den Anstoß zu Veränderungen rund um das Cap Arcona-Gedenken in Neustadt.


 


Das Denkmal

Das Denkmal auf dem Ehrenfriedhof, der Friedhof ist Ruheplatz für 621 Tote, soll an alle Opfer erinnern, die bei dem tragischen Geschehen am 3. Mai 1945 in der Neustädter Bucht den Tod fanden. Da der Steinmetzmeister Höch bereits im März 1947 mitgeteilt hatte, dass mit einer Fertigstellung der gesamten Anlage am Tage der beabsichtigten Einweihung, dem 3. Mai 1947, wegen des langen Winters nicht zu rechnen sei, wurde an diesem Tag lediglich der Grundstein für das Mahnmal gelegt.
Enthüllt wurde das Denkmal dann am 6. Juli 1947. Nach einem Bericht der „Lübecker Freie Presse“ vom 9.7.1947 nahmen etwa 3000 Personen an der Denkmalsenthüllung teil. Für den ehemaligen KZ-Häftling Willi Neurath war das Denkmal ein Mahnmal, damit „wir nie mehr vom Wege der Demokratie abirren mögen.“ Für den Neustädter Bürgermeister Lange war es kein Denkmal der Rache, sondern der Völkerversöhnung.


 



Das Totenschiff

 1950 war ein besonderes Jahr. Das Totenschiff „Thielbek“ wurde geborgen. Die gefundenen Leichenreste von 189 Menschen wurden im Zeitraum von Januar bis Mai 1950 auf dem Ehrenfriedhof bestattet. Eine Gedenkfeier mit etwa 1000 Teilnehmern für die Opfer der „Thielbek“ fand am 4. März 1950 statt. Für die Landesregierung sprach damals Innenminister Käber. Unter der Überschrift „Gedenkstunde am Neustädter Strand“ berichtete die „Kreis Rundschau“ am 5.5.1950: „Aus Anlaß der 5. Wiederkehr des Untergangstages der „Cap Arcona“ am Mittwoch, legten Landrat Dr. Rohwedder und weitere Abordnungen in einer Gedenkstunde Kränze am Cap Arcona-Ehrenmal nieder.“



 

                   Umgestaltung des 

Ehrenfriedhofes

Zum 20ten Jahrestag, dem 1965 auch im Landtag gedacht wurde, begannen die Vorbereitungen bereits Ende 1962. Das Land sprach sich für eine Umgestaltung aus, weil der Friedhofcharakter der Anlage nicht erkennbar war und die vor Jahren geschaffene Schutzzone zwischen Campingplatznutzung und Ehrenfriedhof ihren Zweck nicht erfüllte. Hier sollte eine Bepflanzung Abhilfe schaffen. Das Gelände wurde, bis auf Umfassungsmauer und Denkmal, völlig eingeebnet und mit Lavendel, Efeu und Zwergmispel neu gestaltet. Im November 1964 waren die Arbeiten abgeschlossen. Die Teilnehmer der Gedenkveranstaltung am 3. Mai 1965, die aus verschiedenen Ländern Europas gekommen waren, fanden ein völlig verändertes Bild des Ehrenfriedhofes vor. Vor allem durch die Bepflanzung der 30 Meter breiten Schutzzone zum Campingplatz mit schnell wachsenden Bäumen wurde eine wirkungsvolle Kulisse geschaffen.


Die Baumkulisse
 Der Neubau der Schön-Klinik Neustadt wurde im Mai 1995 in Betrieb genommen. Anfang 1995 hatte das Klinikum den Wunsch auf Umgestaltung der Baumkulisse an die Stadt herangetragen. Es ging um eine ungehinderte Sichtbeziehung zur Ostsee. Der Umweltausschuss beschloss im Januar 1995 – mit vier gegen drei Stimmen – den Ehrenfriedhof möglichst hoch, dicht und grün vom Klinikum abzuschirmen. Die Diskussion ging aber weiter. „Streit um alte Pappeln ausgerechnet zum 50. Jahrestag der Cap Arcona- Katastrophe“ titelte die Lübecker Nachrichten in einem Bericht über das Thema.
Am 3. Mai 1995 fand die Internationale Gedenkveranstaltung aber vor der gewohnten Baumkulisse statt. Auf dieser Gedenkveranstaltung sprach die Ministerpräsidentin Heide Simonis. Die geplante Umgestaltung der Baumkulisse wurde am 13.8.1996 durch das Landesamt für Denkmalpflege gestoppt, da der Ehrenfriedhof unter Denkmalschutz steht. Der letzte Satz im Bescheid der Behörde: „Angesichts des entsetzlichen geschichtlichen Hintergrundes sollte man gerade von der Stadt Neustadt einen respektvolleren Umgang mit diesem Ehrenfriedhof erwarten.“



 Das Museum
Am 3. Mai 1990 in der Gedenkstunde am Ehrenmal warnte Ministerpräsident Engholm vor dem Vergessen. Diese Veranstaltung zum 45. Jahrestag war außerordentlich gut besucht. Nach der Rede des Ministerpräsidenten kam Bogdan Suchowiak als Überlebender zu Wort. „Wir danken für die Pflege und Ehrung der Ehrenmäler“, sagte er und brachte seine Genugtuung zum Ausdruck, dass nicht nur „unsere Generation, sondern auch viele Jugendliche hier sind.“
Die Lübecker Nachrichten berichteten am 5. Mai 1990 dann noch das Folgende über das Cap Arcona-Museum am Kremper Tor: „Der Museumsanbau konnte zwar aufgrund von baulichen Verzögerungen und Mittelkürzungen nicht wie zunächst geplant an diesem Gedenktag offiziell eingeweiht werden, aber die Arbeiten waren doch zumindest so weit fortgeschritten, dass die ständige Ausstellung „Cap Arcona“ aufgebaut und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden konnte. Die Delegationen waren angesichts der Exponate und ihrer Erinnerungen sehr ergriffen, registrierte der damalige Stadtarchivar Lange.“



Zukunft des Cap Arcona-Gedenkens

                    Cap Arcona-Dokumentationszentrum

Im Juni 2015 regte der Hauptausschuss der Neustadt in Holstein durch eine Willensbekundung die Erarbeitung eines neues Museumskonzeptes an. Durch den Ende 2021 erfolgten Kauf eines in unmittelbarer Nachbarschaft zum zeiTTor-Museum gelegenen Grundstücks und durch 5 Millionen Euro Bundesmittel, die durch eine Initiative der SPD-Bundestagsabgeordneten Bettina Hagedorn am 19. Mai 2022 im Haushaltsausschuss bereitgestellt wurden, kann der Bau des Cap Arcona-Dokumentationszentrums jetzt realisiert werden. Die Einrichtung der Dauerausstellung wird durch das Land Schleswig-Holstein und durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Staatsministerin Claudia Roth, gefördert und finanziert. Ein zeremonieller Spatenstich für das Cap Arcona-Dokumentationszentrum ist für den 3. Mai 2025 geplant.


 


(Text: Norbert Kahl)

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